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Prosumer-Tarif

Zusammenhang
Worum geht es? Auf wen ist er anwendbar?

Der Prosumer-Tarif ist ein Tarif für die Netznutzung durch Prosumer (cf. Erläuterungsnotiz zum Prosumer-Tarif). Er wird über die Rechnung des Stromversorgers in Rechnung gestellt. Dieser Tarif gilt standardmäßig für alle Prosumer, gleich welche Technologie sie bei der Erzeugung einsetzen. Zum Großteil handelt es sich dabei um Solarzellen, aber es gehören auch kleine Wind- und Wasserkraftanlagen und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen dazu.

Warum?

Der Prosumer-Tarif, bei dem es sich nicht um eine Gebühr handelt, zielt darauf ab, die Netzkosten auf gerechte Weise auf alle Benutzer des Stromverteilernetzes zu verteilen.

Im Gegensatz zu den anderen Netzbenutzern beteiligen sich die Prosumer bis zum 31. Dezember 2019 nicht an der Finanzierung des Netzes entsprechend der Höhe ihrer Nutzung. Zwar verfügen Prosumer über Stromerzeugungsanlagen, jedoch nutzen sie genauso das Netz, wenn sie Strom zu einem Zeitpunkt entnehmen, zu dem ihre Anlage keinen oder nur wenig Strom erzeugt. In diesem Fall tritt eine zeitliche Verschiebung zwischen Erzeugung und Verbrauch ein. Ein Prosumer kann seinen Strom kostenlos in das Netz einspeisen (es gibt in seinem Fall keinen Einspeisungstarif), jedoch muss er gerechterweise genauso zu den Netzkosten beitragen, wenn er Strom zu dem Zeitpunkt entnimmt, zu dem er keinen erzeugt.

Ein solcher gerechter Beitrag zu den Netzkosten zielt darauf ab, einerseits die Instandhaltung und Weiterentwicklung des Stromnetzes zu sichern und es sozial akzeptabel zu machen, und andererseits die Prosumer dazu anzuregen, mehr von ihrem eigenen Strom zu verbrauchen, um noch mehr erneuerbare Energie in das Verteilernetz zu integrieren, ohne es verstärken zu müssen.

Ein solcher Tarif wird in der flämischen Region schon seit dem 1. Juli 2015 angewandt. Er wird auf der Kapazitätsgrundlage angewandt.

Ab wann?

Die Tarifmethodik 2019-2023 sieht vor, dass die von der CWaPE genehmigten Prosumer-Tarife am 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Modalitäten für die Rechnungslegung des Prosumer-Tarifs

Je nach Wahl des Prosumers sieht der Prosumer-Tarif folgendermaßen aus:

  • entweder der Kapazitätstarif, d. h. ein Pauschalbetrag, der in EUR/kWe ausgedrückt wird und je nach entwickelbarer Nettostromleistung der Erzeugungsanlage gilt. Wenn der Prosumer keine Wahl trifft, gilt dieser Tarif standardmäßig.
  • oder der Proportionaltarif , der in EUR/kWh ausgedrückt wird und je nach dem Bruttovolumen der Stromentnahme aus dem Netz berechnet wird. Bei dieser Option ist ein Netzzähler erforderlich, der getrennt die Entnahme und die Einspeisung aufzeichnet (Zweirichtungszähler oder Smart Meter). Bei dieser Form der Preisfestsetzung kann der dem Prosumer berechnete Betrag nicht über dem Betrag liegen, den er bei Anwendung des Kapazitätstarifs hätte zahlen müssen.

Austausch eines Einrichtungszählers gegen einen Zweirichtungszähler

Wenn der Prosumer den Proportionaltarif in Anspruch nehmen will, muss er den Austausch des Zählers bei seinem Netzbetreiber beantragen (cf. meinen Netzbetreiber suchen). Die Zeitspanne zwischen dem Einreichen eines Antrags auf den Austausch eines Einrichtungszählers gegen einen Zweirichtungszähler und dem tatsächlichen Austausch des Zählers kann je nach Menge der zu bearbeitenden Anträge variieren. Der Antrag muss demnach früh genug beim Netzbetreiber eintreffen, damit der Austausch des Zählers zu dem vom Prosumer gewünschten Termin stattfinden kann. Man braucht allerdings nicht sofort Kontakt mit dem Netzbetreiber aufzunehmen. Dieser wird Sie rechtzeitig über das Verfahren und die Modalitäten im Zusammenhang mit dem Antrag informieren. Der Preis für den Austausch eines Einrichtungszählers gegen einen Zweirichtungszähler beläuft sich 2019 bei allen Netzbetreibern auf 150€ zzgl. MwSt. (wenn keine technische Anpassung notwendig ist) und wird jährlich angepasst.

Auswirkung des Austauschs des Zählers auf den Ausgleich

Die Prosumer erhalten einen Ausgleich (Siehe Mitteilung über die Anwendung des Ausgleichs). Der Ausgleich besteht darin, von seinem Verbrauch über einen Zeitraum zwischen zwei Zählerablesungen die im gleichen Zeitraum in das Netz eingespeiste Energie abziehen zu dürfen, selbst wenn der Verbrauch und die Einspeisung zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgt sind. Im Allgemeinen wird der Ausgleich auf einer jährlichen Basis berechnet. Falls auf Bitten des Prosumers ein technischer Eingriff am Anschluss vorgenommen wurde, z.B. der Austausch des Einrichtungszählers gegen einen Zweirichtungszähler zwischen zwei Zählerablesungen, wird der Rechnungszeitraum aufgesplittet, und der Ausgleich wird auf jeden Zeitraum angewendet, was zu einem teilweisen „Verlust“ des erzeugten Stroms und zu einer entsprechenden Verbrauchsabrechnung führen kann. Die Prosumer werden deshalb aufgefordert, den Antrag auf Austausch des Zählers möglichst zeitnah zum Termin der Jahresablesung zu planen, um den Verlust eines Teils der während des Zeitraumes bis zu diesem Austausch verzeichneten Produktion zu vermeiden, da die Produktion dieses Zeitraumes nicht zum Ausgleich mit dem Verbrauch eines ganzen Jahres genutzt werden kann.

Austausch eines Einrichtungszählers gegen einen Smart Meter

Im Augenblick ist in der wallonischen Region kein Netzbetreiber in der Lage, intelligente Zähler in sein Netz einzubauen. Gemäß Dekret vom 19. Juli 2018 über die Verbreitung von intelligenten Zählern müssen die Netzbetreiber bis spätestens 1. Januar 2023 in der Lage sein, Smart Meter auf Wunsch von Netzbenutzern einzubauen. Es ist nicht auszuschließen, dass bestimmte Netzbetreiber schon vor 2023 solche Zähler anbieten können. Der Tarif für den Einbau eines intelligenten Zählers entspricht dem Tarif für den Einbau eines Zweirichtungszählers, d.h. 150 € zzgl. gültiger MwSt. Der Smart Meter bietet dem Benutzer allerdings mehr Funktionalitäten und Daten (wie z.B. Verbrauchs- und Produktionsübersichten je 1/4 Stunde), aus denen der Prosumer seinen Eigenverbrauch optimieren kann, so dass der Zähler tatsächlich interessanter ist.

Im Übrigen sieht das Dekret vor, dass die Netzbetreiber vor dem 31. Dezember 2029 bei 80% der Prosumer, deren entwickelbare elektrische Nettoleistung an Stromerzeugung mindestens 5 kW beträgt, Smart Meter eingebaut haben. Für die Prosumer, deren entwickelbare elektrische Nettoleistung an Stromerzeugung mindestens 5kW beträgt, ist der Austausch des Zählers, der auf Initiative des Netzbetreibers im Rahmen eines Austauschplans stattfindet, gratis.

Für 2020 - 2023 genehmigte Prosumer-Tarife

Die für den Zeitraum 2019-2023 geltenden Tarife der Netzbetreiber AIEG, AIESH, RESA und REW wurden am 28. November 2018 von der CWaPE genehmigt (Link zur Seite der Tarifentscheidungen). Über die für den Zeitraum 2019-2023 geltenden Tarife des Netzbetreibers ORES Assets entscheidet die CWaPE am 7. Februar 2019. Die folgende Tabelle zeigt die Kapazitätstarife für Prosumer, die den Netzbetreibern AIEG, AIESH, RESA und REW für die Jahre 2020 bis 2023 genehmigt wurden. Der Prosumer -Kapazitätstarif wird standardmäßig auf Prosumer angewendet, die nicht über einen Zweirichtungszähler/Smart Meter verfügen.

Prosumer-Kapazitätstarif inkl. MwSt.
Ausgedrückt in €/kWe2020202120222023
AIEG66,8767,4367,2765,50
AIESH85,2986,3486,5086,91
RESA76,0477,0676,8777,19
REW89,4690,7592,1088,67

Der Prosumer -Kapazitätstarif wird nicht auf Prosumer angewendet, die über einen Zweirichtungszähler/Smart Meter verfügen, der ihre tatsächlichen Entnahmen an aktiver Bruttoenergie aus dem Netz registriert. In diesem Fall werden die Tarife für Stromentnahme und die Tarife für die Refakturierung der Kosten für die Benutzung des Transportnetzes, ausgedrückt in EUR/kWh (Siehe Tarife 2020, Tarife 2021, Tarife 2022 und Tarife 2023), auf die gemessenen Bruttoentnahmen angewandt.

Die Tarifmethodik für 2019-2023 der CWaPE sieht für die Prosumer, die sich für den Proportionaltarif entscheiden, die Garantie vor, dass dieser Betrag nicht höher (insgesamt für Verteilung und Transport) als der entsprechende Kapazitätstarif liegt. Eine solche Garantie zielt darauf ab, Prosumer zur Entscheidung für einen Netztarif anzuregen, der auf ihrer Bruttoentnahme beruht (dies fördert den gleichzeitigen Eigenverbrauch), ohne dabei Gefahr zu laufen, mehr als den Kapazitätstarif zu bezahlen, falls ihr Eigenverbrauch letztlich unter 37,76 % liegt.

Es liegt demnach bei jedem Prosumer, entsprechend seinem Verbrauch und seiner Eigenproduktion zu berechnen, ob es für ihn von Vorteil ist, den Einbau eines Zweirichtungszählers zu beantragen und wenn ja, welcher Termin am besten für den Austausch des Zählers passt.

Beispiele der Rechnungsstellung für einen Prosumer
Hypothesen
  • Entwickelbare elektrische Nettoleistung der Produktionsanlage: 5 kWe
  • Erzeugung: 910 kWh pro kWe
  • Jährlicher Verbrauch: 4.550 kWh
  • Eigenverbrauch: 50 %
    • Jährliche Erzeugung (910 kWh X 5 kWe) = 4.550 kWh
    • Jährlicher Verbrauch: 50% X 4.550 kWh = 2.275 kWh
    • Einspeisung in das Netz = 2.275 kWh
    • Bruttoentnahmen aus dem Netz = 2.275 kWh
  • Netzbetreiber: RESA
  • Verbrauchszeitraum: 01.01.2020 bis 31.12.2020
  • Kapazitätstarif für Prosumer 2020: 76,04€/kWe inkl. MwSt.
  • Tarife für Verteilentnahme 2020: 0,091597€/kWh inkl. MwSt.
  • Tarife für die Weiterverrechnung der Transportkosten 2019 *: 0,04588€/kWh inkl. MwSt.

* : Tarifs de refacturation des charges d’utilisation du réseau de transport applicables du 1er mars 2019 au 29 février 2020. Les tarifs de refacturation des coûts de transport applicables à partir du 1er mars 2020 seront approuvés par la CWaPE dans le courant du mois de février 2020.

Berechnungen

Wenn der Prosumer nicht über einen Zweirichtungszähler verfügt, beläuft sich seine Rechnung auf 380,20 €

  • 5 kWe X 76,04 € = 380,20 €
  • 0 kWh X 0,091597 €/kWh = 0 €
  • 0 kWh X 0,04588 €/kWh = 0 €
  • ZUSAMMEN : 380,20 € inkl. MwSt.

Wenn der Prosumer über einen Zweirichtungszähler verfügt, beläuft sich seine Rechnung auf 312,80 €

  • 2.275 kWh X 0,091597 €/kWh = 208,38 €
  • 2.276 kWh X 0,04588 €/kWh = 104,42 €
  • ZUSAMMEN : 312,80 € inkl. MwSt.